Neuroathletik – Visuelles System einfach erklärt (Augentraining)

Wenn du dich für das Thema des Neuroathletik Trainings interessierst, dann weißt du, dass die Augen, also das visuelle System, das wichtigste bewegungssteuernde System ist.

Wieso das Ganze so ist und was die Hauptaufgaben des visuellen Systems sind, das erfährst du in diesem Artikel.

Wichtigkeit des visuellen Systems

Viele Leute denken, dass das scharfe Erkennen von Gegenständen die einzige Aufgabe der Augen ist. Aber es geht um viel mehr.

Genauer gesagt gibt es sechs wesentliche Aufgaben, die die Augen haben.

Fangen wir gleich an mit Punkt 1: Wieso ist das visuelle System an erster Stelle der Hierarchie der bewegungssteuernden Systeme?

Falls du die Hierarchie nicht auf dem Schirm hast, dann schau dir gerne unser Grundlagenvideo an.

Die Hierarchie der Bewegungssteuerung:

1 | Visuelles System (die Augen)
2 | Vestibuläres System (die Gleichgewichtsorgane im Innenohr)
3 | Propriozeptives System (die Wahrnehmung)

Hierzu ein einfaches, aber sehr eindrückliches Beispiel:

Stell dir vor, ein Löwe rennt aus 500 Metern Entfernung auf dich zu.

Option 1)

Das visuelle System gibt dir nun sobald du den Löwen siehst Bescheid und meldet Alarm.

Option 2)

Das vestibuläre System warnt dich erst, wenn du schon angerempelt wurdest und sich deine Körperachse verschiebt. Dafür muss eine Abweichung von 0,5° von deinem Gleichgewichtsorgan wahrgenommen werden.

Option 3)

Das propriozeptive System läutet erst die Alarmglocken, wenn du beispielsweise die Zähne des Löwen in deinem Arm spürst.

Diese Einstufung von Gefahr ist die Hauptaufgabe deines Nervensystems. Nun sind unzählige Zentren im Gehirn für das visuelle System zuständig und an der Verarbeitung von visuellen Informationen beteiligt, dass dieses System einen unglaublich großen Stellenwert hat (über 50 % der Großhirnrinde).

Gehen wir nun weg von diesem Überlebensaspekt, der meistens sehr fern von den Leuten ist, hin zum Sport:

Die Leistungsfähigkeit in deinem Sport ist unheimlich abhängig vom visuellen System.

Im ersten Artikel “Neuroathletik – so funktioniert dein Gehirn” bin ich schon mal auf die Funktionsweise des Gehirns und des Nervensystems eingegangen.

Zusammengefasst:

Dein Gehirn und deine Bewegungen funktionieren durch das System der Pattern Recognition.

Da so viele Gehirnzentren mit dem visuellen System zusammenarbeiten, kann es viel bessere Auskunft darüber geben, in welchem Umfeld du dich gerade befindest, sprich welches Muster abgerufen werden muss, als wenn du rein abhängig von deinem Gleichgewichtsorgan und von deiner Wahrnehmung wärst.

Je besser die Informationen also aus dem visuellen System sind, desto besser kann dein Gehirn die aktuelle Situation abschätzen.

Wenn du den Artikel noch nicht gelesen hast, dann lies ihn dir bitte durch, dann gibt das auch mehr Sinn.

Hier geht’s zum Artikel >

Stehst du beispielsweise aufrecht auf dem Fußballplatz, dann denkt auch dein vestibuläres System, dass es gerade aufrecht ist.

Das ist schließlich die Hauptaufgabe des vestibulären Systems. Bin ich aufrecht und wo ist oben/unten.

Das propriozeptive System überlegt, ob es die Füße spürt oder wie die Gelenkstellung im Raum ist.

Doch zum Fußballspielen reicht das noch nicht. Du musst schließlich noch wissen, in welchem Umfeld du dich gerade befindest. Wo ist der Ball, wo die Gegenspieler etc.

Dieser Vorgang findet alleine über die Augen statt, weswegen das visuelle System unheimlich wichtig für die Pattern Recognition, also für die Erkennung von Mustern in deinem Gehirn, ist.

Die 6 Hauptaufgaben der Augen

1. Blickfixation (Gaze Fixation)

Ich strecke beispielsweise meinen Arm nach vorne und schaue dann auf meinen ausgestreckten Daumen. Dieses Fixieren eines Objektes nennt man dann Blickfixation. Das ist das, was wir 80 % der Zeit mit unseren Augen machen.

Im folgenden Beispiel benutze ich einen Vision Stick:

2. Blickverfolgung (Smooth Pursuits)

Wenn ich beispielsweise meinem Daumen folge, während ich ihn bei ausgestrecktem Arm nach links und rechts bewege.

Dabei sollten die Augen flüssig mitgehen können (eng.: Smooth pursuits, eine flüssige Verfolgung eines Objekts).

In folgendem Beispiel benutze ich einen Vision Stick:

3. Blicksprünge (Sakkaden)

Du kannst einen Gegenstand nicht nur flüssig verfolgen, sondern auch von einem Gegenstand zum nächsten springen, daher auch der Begriff Sakkaden.

Wenn ich jetzt meine beiden Daumen nach vorne ausstrecke, kann ich mit den Augen vom linken Daumen zum rechten Daumen springen.

Diese Aufgabe ist beispielsweise wichtig beim Fußballspielen, dass du mit den Augen von einem Gegenspieler zum nächsten Gegenspieler springen und diesen dann wieder fixieren kannst.

In folgendem Beispiel benutze ich einen Vision Stick:

4. Vergenz (Konvergenz & Divergenz)

Der Begriff der Vergenz beschreibt das entgegengesetzte Bewegen der Augen.

Wenn ich z. B. meinen Daumen bei ausgestrecktem Arm zu meiner Nase hinführe, dann bewegt sich mein rechtes Auge nach links, um mein linkes Auge nach rechts, um diesen Finger an der Nasenspitze noch scharf fokussieren zu können.

Das nennt sich dann Konvergenz und beschreibt das sich zueinander Hinbewegen der Augen.

Die Divergenz dagegen ist dann die gegenteilige Bewegung der Augen, also wenn ich meinen Daumen wieder nach vorne weg vom Körper bewege.

Diese Aufgabe ist für dein Überleben und für deine Leistungsfähigkeit von enormer Bedeutung.

Wenn sich beispielsweise ein Gegenstand auf dein Gesicht zubewegt, dann möchte man diesen scharf erkennen können, sodass man auch eine angemessene Antwortreaktion finden kann.

Denken wir nun wieder an den Fußball, genauer an die Ballannahme eines Flugballs.

Wenn du den Ball kurz vor dir nicht mehr erkennen kannst, weil sich deine Augen nicht entgegengesetzt zueinander bewegen können, dann ist das suboptimal.

Du hast vielleicht eine falsche Körperposition und dein Gleichgewichtsorgan richtet sich nicht komplett richtig aus, weil es keine guten Informationen von den Augen bekommt.

Daraus resultiert dann eine Minderung deiner Leistungsfähigkeit.

In folgendem Beispiel benutze ich einen Vision Stick:

5. Vestibulookulärer Reflex (VOR)

Diese Aufgabe haben sowohl die Augen als auch das Gleichgewichtssystem inne, wofür sie auch sehr stark zusammenarbeiten.

Dabei steht “vestibulo” für das Vestiblärsystem und “okulo” kommt vom lateinischen Wort “oculus” und bedeutet Auge. Dieser Reflex ist für das Gegeneinanderbewegen der Augen und des Kopfes zuständig.

Wenn ich z. B. einen Gegenstand anschaue und meinen Kopf jetzt nach rechts bewegen würde, dann haben sich meine Augen reflexartig in die Gegenbewegung meines Kopfes bewegt.

Das ist auch wieder eine unglaublich wichtige Aufgabe.

Stell dir vor, du spielst einen Pass zu einem Mitspieler und möchtest dich dann zum Weiterlaufen wegdrehen, aber trotzdem überprüfen, ob der Pass ankommt.

Funktioniert in solchen Situationen dieser Reflex nicht und du kannst plötzlich den Ball nicht mehr fixieren, dann wirst du Probleme bekommen.

In folgendem Beispiel benutze ich ein Kreuzdiagramm:

6. Optokinetischer Nystagmus (OKN)

Fixieren deine Augen einen Gegenstand, verfolgen diesen und springen dann zu einem anderen Gegenstand, dann sprechen wir vom OKN.

Das ist dir sicher schon mal beim Auto oder Zug fahren aufgefallen.

Du fixierst beispielsweise die Bäume, wie sie ganz schnell an dir vorbeigehen, verfolgst sie kurz und springst dann wieder weiter.

Das ist auch eine sehr wichtige, nicht willentlich beeinflussbare Funktion der Augen, vor allem wenn es um das Überleben geht.

So viel erst einmal zum visuellen System, wieso es so wichtig ist und was die Hauptaufgaben dieses Systems sind.

Bald erscheint auch ein Artikel, in dem ich dir mit Martina ein paar Übungen vorstelle, wie du diese einzelnen Aspekte ganz gezielt trainieren kannst.

Der nächste Artikel beschäftigt sich auch noch spezifischer mit dem vestibulären System. Dort werden Themen wie die Wichtigkeit und die Hauptaufgaben des Gleichgewichtssystems behandelt, damit du dann ganz gezielt daran arbeiten kannst.

Wenn du irgendwelche Fragen zu diesem Thema hast, dann schreib uns gerne via Instagram oder per Mail.

Ansonsten hoffe ich sehr, dass dir dieser Blogartikel weitergeholfen hat.

Wenn dir der Artikel gefallen hat, dann würde ich mich sehr darüber freuen, wenn du den Artikel mit deinen Freunden, Bekannten etc. teilst.

In diesem Sinne bleib’ in Bewegung!

Gino

PS: Das Beitragsbild ist von Bacila Vlad.

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