Neuroathletik Training Wahrnehmung – Testung propriozeptives System

Heute schauen wir uns das propriozeptive System an (Neuroathletik Training Wahrnehmung). Dazu habe ich wieder David Hillmer eingeladen, aber den kennst du wahrscheinlich schon aus anderen Artikeln bzw. Videos.

Nach den ersten zwei Teilen sind wir nun unten in der Hierarchie angekommen (mehr zur Bewegungshierarchie findest du in diesem Artikel).

In Teil 1 ging es um die Testung der Augen (zum Artikel) und in Teil 2 um die Testung des Gleichgewichtssystems (zum Artikel).

Kommen wir jetzt aber zum Screening des propriozeptiven Systems.

Wahrnehmung testen: Pre-Test #1

In der Physiotherapie arbeiten wir sehr viel am propriozeptiven System. Deswegen werde ich heute mal David testen.

Davids Ziel ist es, die Beweglichkeit in der Schulter zu verbessern. Dafür haben wir uns einen Flexionstest der Schulter herausgesucht.

Um den Test möglichst neutral zu machen, stellt sich David an die Wand (Posterior pelvic tilt).

Wichtig dabei ist, dass David in kein Hohlkreuz hineingeht, weswegen er mit dem unteren Rücken Kontakt zur Wand sucht. Das machen wir, damit er beim Test keine Kompensationsbewegung, bspw. aus der Lendenwirbelsäule, ausführen kann, um den Arm hochzubekommen.

Nun versucht David seinen Arm, bei uns den Rechten, nach oben zu bringen. 

Neuroathletik Training Wahrnehmung Pre Test 1

Dabei erfragen wir, wie es ihm dabei ergeht und ab wann es ihm zu anstrengend wird.

David hat eigentlich schon eine ziemlich gute Überkopfbeweglichkeit. Es waren in etwa 170°, was physiologisch ist. Theoretisch könnte man noch 180° erreichen. 

Eventuell bekommen wir das durch den propriozeptiven Reiz hin, vielleicht fühlt sich die Bewegung aber auch einfach leichter an. Das wäre dann wieder das subjektive Belastungsempfinden.

Wir werden jetzt eine bestimmte Rezeptorart stimulieren und dadurch die Wahrnehmung ansprechen. Es gibt viele verschiedene Arten von Rezeptoren in der Haut, im Muskel et cetera

Wir möchten jetzt die Druckrezeptoren (Mechanorezeptoren) ansprechen.

Das machst du ohnehin schon, wenn du beispielsweise auf der Blackroll bist oder wenn du irgendwo Schmerzen hast und dir selbst an diese Stellen drückst. Heute wollen wir genau das mal testen.

Wahrnehmung testen: Maßnahme #1

Der breite Rückenmuskel, also der Latissimus – flächenmäßig der größte Muskel im menschlichen Körper – ist dafür mitverantwortlich, dass einige Leute den Arm nicht ganz so weit nach oben bekommen, wenn er zu viel Spannung hat.

Deswegen werden wir jetzt mal bei David testen, ob sich seine Beweglichkeit verbessert, indem wir den Latissimus in der Nähe des Ansatzes mit Druck bearbeiten.

Dafür üben wir zuallererst einmal Druck am Latissimus in der Neutral-Null-Stellung (Arm noch hängend am Körper) kurz vor dem Ansatz aus.

Neuroathletik Training Wahrnehmung Maßnahme 1

Selbstverständlich behandle ich dabei noch andere Muskeln mit. Diese sind zum Beispiel der M. teres minor aus der Rotatorenmanschette oder der M. teres major, der den gleichen Ansatz hat wie der Latissimus. Dementsprechend ist es nicht möglich, den Latissimus zu isolieren.

Zur Behandlungsdauer kann man dabei nichts Genaueres sagen. Der Latissimus ist in dieser herangeführten Position in einer Ruheposition. Wichtig ist es, zu erfühlen, ob sich schon etwas am Muskel geändert hat.

Ansonsten werde ich David gleich nochmal in die Endposition bewegen lassen und dort dann nochmal in Vorspannung/Vordehnung den Latissimus bearbeiten.

Wahrnehmung testen: Post-Test #1

Nach der Behandlung testen wir gleich, ob es sich verbessert hat oder nicht, und warten nicht noch länger, denn das Nervensystem reagiert unheimlich schnell.

Neuroathletik Training WahrnehmungPost Test 1

In unserem Fall gab David keine Verbesserung an, weswegen wir den Latissimus nochmal in der Endposition behandeln.

Wie viel Druck bei der Behandlung?

Jetzt stellst du dir sicher die Frage, wie viel Druck du verwenden sollst. Das kann man nicht genau sagen. Jeder Mensch reagiert auf Druck anders, gerade bei einer Triggerpunktbehandlung.

Deshalb würde ich dir empfehlen mit verschiedenen Druckstärken zu arbeiten (leichte Berührung, leichter Druck und starker Druck).

Was du dir merken kannst:

Je mehr Druck, desto mehr Rezeptoren werden gereizt.

Wahrnehmung testen: Maßnahme #2

Nun zurück zur Behandlung. Dafür geht David in die Position über Kopf und wir bearbeiten nochmal die Ansätze.

Neuroathletik Training Wahrnehmung Maßnahme 2

Erfrag‘ dabei, ob sich der Druck über Kopf anders anfühlt, denn der Muskel ist nun auf Dehnung. David hat hier keinen Schmerz angegeben.

Klar behandelt man hier sehr stark die Mechanorezeptoren, aber es sind immer sehr viele verschiedene Arten von Rezeptoren, die man reizt.

Wenn David sich bewegt, werden Rezeptoren gereizt, die beispielsweise in den Gelenken oder den Muskeln vorhanden sind.

Solltest du festere Stellen bemerken, dann kannst du hier etwas länger bleiben, egal ob du jemanden behandelst oder auch selbst mit dem Faszienball an der Wand bist.

Wahrnehmung testen: Post-Test #2

Nach der Behandlung machen wir nun den Post-Test und beobachten das Bewegungsverhalten und die Amplitude.

Neuroathletik Training Wahrnehmung Post Test 2

Bei David ist mir aufgefallen, dass er etwas weiter in die Flexion hineinkommt.

Die Intervention war jetzt etwas kürzer, dennoch wurde gut sichtbar, dass das Nervensystem sehr schnell reagiert. Bei David funktioniert die Maßnahme in Vorspannung Druck auf den Ansatz auszuüben also.

Der nächste Schritt wäre nun, die ganze Behandlung länger durchzuziehen, also mal 15 Minuten. Danach schauen wir dann, ob die Bewegung noch besser geworden ist.

Das ist jetzt eine Möglichkeit, die Wahrnehmung – die Propriozeption – für dieses Gebiet zu testen und zu verbessern.

Wahrnehmung des Triggerns

Aus Sicht des neurozentrierten Trainings gehen wir nochmal auf den Punkt der Sicherheit des Gehirns ein. Das Gehirn muss sich in den verschiedensten sensorischen Wahrnehmungsbereichen sicher fühlen.

Das bedeutet, wir differenzieren immer zwischen der angenehmen und der beängstigenden Wahrnehmung.

Selbst bei festerem Druck muss unser Gehirn in der Lage sein, diesen Stimulus als sicher zu identifizieren und wahrzunehmen. Das heißt, da wollen wir eine Sicherheit schaffen, sowohl bei der angenehmen als auch bei der festeren Berührung.

Das Non-Plus-Ultra hierbei ist aber wieder die Individualität.

Bei David war es während der Therapie beispielsweise so, dass bei festeren Druck, auch wenn er nicht unbedingt angenehm war, tendenziell ein besseres Ergebnis erzielt wird.

Genauso kann es aber auch andersherum sein, hier musst du schauen, was sich für dich besser anfühlt.

Teste verschiedene Dinge aus. Nimm mal einen Tennisball, einen Golfball oder einen Lacrosseball als Faszienball her etc.

Oft werben Therapeuten damit, dass sie DIE Behandlungsmethode entwickelt hätten, um eine spezielle Verletzung zu heilen. Diese sind aber oft sehr allgemein und nicht auf ein Individuum abgestimmt, weswegen das nicht bei jedem Patienten funktioniert.

Bist du nun dieser eine Patient, bei dem das nicht funktioniert, dann brauchst du die Hoffnung nicht aufgeben, weil es so viele weitere Möglichkeiten gibt.

Eine kleine Randnotiz noch:
Man kann die Wahrnehmung selbstverständlich auch noch anders testen.

David hatte gerade die Augen geöffnet. Wir können jedoch auch seine Tiefenwahrnehmung testen.

Ein Beispiel: David macht hierzu seine Augen zu und ich bewege seinen Arm in eine Position. Seine Aufgabe ist es nun, den Arm mit geschlossenen Augen in dieselbe Gelenkposition zu bewegen.

Wichtig ist, dass du immer auf das Schema:
1 | Pre-Test
2 | Intervention
3 | Post-Test
achtest, weil das immer gilt.

Dann hoffe ich, dass dir diese Artikelserie gefallen hat. Lass es uns definitiv wissen.

Wenn du irgendwelche Fragen zu diesem Thema hast, dann schreib mir gerne via Instagram oder per Mail.

Auch Davids Instagram-Account und Davids Website verlinke ich dir hier. Ein sehr guter Ansprechpartner in allen Belangen, die mit Neuroathletik- aber auch Athletiktraining im Allgemeinen zu tun haben.

Ansonsten hoffe ich sehr, dass dir dieser Wahrnehmungstest für dein Training bzw. deine Therapie helfen wird.

Wenn dir der Artikel gefallen hat, dann würde ich mich sehr darüber freuen, wenn du den Artikel mit deinen Freunden, Bekannten etc. teilst.

Bleib’ in Bewegung!

Gino

PS: Das Beitragsbild ist von Yoann Boyer.

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